Manifest - Jorge Rando

Zeitgenössisches Testament Der Künste

Apokalypse… Wenn wir das Wort Apokalypse hören, kommt uns unweigerlich die biblische Botschaft in den Sinn. 

Heute erleben wir überall eine Apokalypse.

Die Ereignisse, die sich augenblicklich auf der ganzen Welt zutragen... Kriege, Verfolgungen, terroristische Attentate, Hungersnöte, die Knechtschaft der Prostitution, die Zerstörung... rufen uns die Offenbarung des letzten Buches des Neuen Testaments in Erinnerung.

Jorge Rando, will von dem Museum aus dieses Manifest als ein zeitgenössisches Testament der Künste veröffentlichen und alle Künstler dazu einladen, mit uns zusammen all denjenigen Hoffnung zu spenden, die die schrecklichen Verletzungen der Menschenrechte erleiden. Und dies machen wir von der Kunst aus, mit einem neuen Konzept des Ausdrucks in der Absicht dieser Gesellschaft zu helfen, den geistigen und humanistischen Werten gegenüber dem gierigen Materialismus, der uns in den Abgrund reißt und sich auf unsere  Jugend ausweitet, den  Vorrang zu geben.

Wir möchten, dass diese Bewegung, die von der Kunst in Málaga aus ins Leben gerufen wird, eine partizipative Bewegung von Künstlern aller Disziplinen: Malerei, Bildhauerei, Architektur, Poesie, Musik, Literatur, Film und Theater, und auch Philosophie und Kommunikationswissenschaften, sein soll, ohne dabei die allgemeine Gesellschaft zu vergessen, die wir dazu einladen Schulter an Schulter mit uns für diese bessere Zukunft zu kämpfen.

Wir können und müssen diesen Marsch oder diese Flucht, von der wir nicht wissen, wohin sie führt, aufhalten. Wir Künstler und alle die uns unterstützen sind,  mit unserer Kunst und der geistigen Kraft, die die Schöpfung besitzt, verpflichtet für die wahre Glückseligkeit des Menschen zu kämpfen, indem wir unsere Mutter Natur schützen, und uns weiterentwickeln, ohne uns von den humanistischen Prinzipien loszusagen, die für die Entwicklung der Menschheit unerlässlich sind.Die heutige Gesellschaft geht sehr schnell voran,  darum sind wir davon überzeugt, dass es die Aufgabe der Kunst ist, einige Aspekte dieser rasanten Entwicklung und dieses Wandels, der sich augenblicklich in der Natur und in der Sozialpolitik der verschiedenen Länder vollzieht, anzutreiben und gleichzeitig zu zügeln. 

Die Kunst und wir Künstler müssen immer vor Augen haben, dass wir ein sehr wichtiger Teil der Gesellschaft sind und dies bedeutet, dass wir in dem Kampf für die Rechte aller Menschen nicht abseits stehen dürfen, sondern, ganz im Gegenteil, aktiv mit unserer Kunst teilnehmen müssen, um dazu beizutragen, die Freiheit, die Gerechtigkeit und das friedliche Zusammenleben aller Menschen zu erreichen. 

Die Kunst hat sich auch von dieser apokalyptischen Welle der Korruption und des Betrugs mitreißen lassen. Sie hat sich von dem ungezügelten Materialismus mitreißen lassen, in dem es der Gott Geld ist, der die heutige Welt regiert. Sie hat sich von den falschen Werten mitreißen lassen, die die Kunst in ein Konsumprodukt verwandeln. Sie hat sich letztendlich von dieser Sucht mitreißen lassen, die sich auf die gesamte Menschheit ausbreitet, auf der Suche nach einer nur auf dem Materiellen basierenden Glückseligkeit und dabei die geistigen Werte vergessen, die auf dem Weg zur wahren Glückseligkeit, die ohne Freiheit unmöglich zu erreichen ist, vorherrschen sollten. 

Wir Künstler dürfen nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen, ohne uns gegen diese Epidemie aufzulehnen, die die wahre Kunst verschlingt, um sie für etwas zu ersetzen, was als Kunst bezeichnet wird, in dem alles erlaubt ist und in dem die Aggressivität und Vulgarität vorherrschen. Personen, die nicht zum Künstler geboren sind, sich selbst jedoch als solche ausgeben, dominieren eine in vielen Fällen von Gaunern, die sich nur an der Kunst bereichern wollen dirigierte Kunstwelt. 

Der verdammte Kunstmarkt!

Wir wirklichen Künstler und alle Kunstfreunde müssen dem mit unserer Arbeit in vollkommener Freiheit, die Wahrheit in der Kunst suchend, entgegentreten. Wir müssen von denjenigen, die die Kunst propagieren, und von den Meinungsmachern verlangen, dass sie vorbereitet und achtsam sind, um sich nicht von einer falschen Kunst verführen und sich nicht mit Fata Morganas hinters Licht führen zu lassen, sondern mit eigenem kritischem Auge die gute und wahre Kunst analysieren. Sie sollen sich letzten Endes nicht übers Ohr hauen lassen, denn es besteht die Gefahr, dass eine falsche Idee, über das was Kunst sein kann, überliefert und verbreitet wird.

Alle aktuellen Malereibewegungen, sowie alle Künste, sind aufgerufen die Reinheit und die Freiheit in der Kunst aufrecht zu erhalten. Sie sind aufgerufen, der Kunst die Geistigkeit zurückzugeben, indem sie dem Gehalt gegenüber der Form den Vorrang geben.

In der Kunst kann man nichts erfinden; man kann nur entdecken oder umgestalten, weil  alles von Anfang an schon erschaffen worden ist. Die Kunst hat bis heute ständig die Evolution des Universums und der Menschheit begleitet. Heute und in unserer Epoche müssen wir Künstler die Gabe, die wir erhalten haben, dazu benutzen, um verlorene Werte zurückzugewinnen, damit die technologischen und wissenschaftlichen Entwicklungen, ebenso wie die Errungenschften des sozialen und materiellen Fortschritts immer von den inhärenten, geistigen Werten des Menschen begleitet werden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befreite sich der Expressionismus vollkommen von den Zwängen der Kunst. Mit dem Konzept des Neuen Expressionismus wollen wir nicht mit der Vergangenheit brechen, sondern heute immer auf der Basis der Freiheit des Denkens und der Geistigkeit der Kunst, neue Wege begehen.


PROKLAMATION

Wir wollen die Spiritualität des Menschen und von allem, was uns in diesem Universum umgibt, verkünden.

Wir wollen, dass die Kunst, die den Menschen von seinen Anfängen an begleitet hat, ein Pfeiler in der Entwicklung der Menschheit sein soll.

Wir wollen, dass die verschiedenen Regierungen, die unser Geschick bestimmen,  endlich die Bedeutung der Kunst im Vorankommen der Gemeinschaft erkennen und  dementsprechend gerechte Gesetze erlassen.

Wir wollen mit Hilfe der Kunst dazu beitragen, dass sich die Demokratie in allen Ländern der Welt durchsetzt, gleich welcher der verschiedenen Arten von Regierung sie unterliegt. Auch die Kunst muss demokratisch sein und wir Künstler sind verpflichtet, sie zu benutzen, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Wir wollen mit unserer Kunst all das zeigen, was um uns herum geschieht, damit alle daran mitwirken, die Ungerechtigkeiten und Gräueltaten, die in der Welt begangen werden, nicht nur zu verurteilen, sondern sie auch aktiv zu bekämpfen. Wir können nicht angesichts aller Probleme, die uns umgeben, hilflos zuschauen; sondern wir müssen, im Gegenteil dazu beitragen, sie zu lösen. Die Kunst kann und darf sich nicht isolieren. Die Kunst ist nicht für Minderheiten. Die Kunst ist universell. 

Wir wollen gegen die Diktate des Marktes kämpfen und der Richtlinie des freien Schaffens folgen. Jeder Künstler soll seinen Weg wählen können, um sich in seiner Sprache auszudrücken. Lassen wir nicht zu, dass uns jemand – weder die unterschiedlichsten Leute noch der Kunstmarkt – leitet und uns vorschreibt, was wir zu tun haben. Diese Kritiker und Meinungsmacher, die sich für heilige Kühe halten, sollen sich von der Kunst fernhalten und denjenigen Kritikern und Meinungsmachern den Weg öffnen, die ihre Arbeit aufrichtig, weise und mit Liebe zur Kunst ausführen. Diese mögen helfen dass die Kunst frei ist und inhärente und nicht durch künstlich Hinzugefügtes erzielte Werte besitzt.

Wir wollen unflexibel im Gehalt und flexibel  in der Form sein. Die Freiheit in der künstlerischen Ausdrucksform ist in unserem Schaffen grundlegend. Zeichnen wir unseren Weg auf und machen uns auf die Suche, aber ohne uns dabei zu verzetteln; bedienen wir uns der Geistigkeit bei unserer Arbeit, um die wahre Schöpfung zu erreichen; nur so können wir unsere Werke als Kunstwerke bezeichnen.  

Wir wollen weder mit dem Expressionismus des 20. Jahrhunderts brechen, noch mit einer anderen Kunstströmung, die uns vorausgegangen ist.  Wir wollen jedoch die Renaissance eines neuen Ausdruckskonzeptes für dieses junge  21. Jahrhundert anregen. Im Anblick der gegenwärtigen Katastrophen sollen unsere Werke Hoffnung auf Wandel zum Ausdruch bringen.

Wir wollen, dass die Arbeit, die aus unseren Künstlerhänden hervorgeht, nicht das Ergebnis einer unermüdlichen Suche nach dem immer Schwierigeren, nach dem noch nie Dagewesenen, oder nach der Provokation ist, sondern eine gut gemachte Arbeit ist die aus der Weisheit, der Freiheit und der Hingabe resultiert, die unentbehrlich für das künstlerische Schaffen sind. Angesichts der aktuellen Situation und der Zeit, in der wir leben, wollen wir, dass die Museen begreifen, dass sie ihrer selbst willen keine Existenzberechtigung besitzen, sondern nur die Gesellschaft sie legitimieren kann. 

Die künstlerischen Ausdrucksformen sollen jeden erreichen!

Wir wollen  unsere Ateliers offen halten, damit alle Künstler, die dies wünschen, an diesem neuen Konzept des Expressionismus, das wir antreiben und verbreiten,  teilhaben können. 

Wir wollen uns entblößen und uns allen akademischen Fesseln entledigen, selbst wenn wir sie schon verinnerlicht haben,  und uns rein und ohne Last vor dem kreativen Prozess präsentieren. In der Reinheit liegt die Freiheit. Wir wollen, dass die Malerei jede Fessel abstreift, Jeder Künstler soll die Linie und die Farbe benutzen, die das Gemälde von ihm verlangt, ohne den Normen auferlegter Codes folgen zu müssen. Die Hoffnung kann man grün, aber auch schwarz malen.  Die Farben besitzen keine spezifische Bedeutung und es darf  keine Regel  für ihre Benutzung geben.

Wir wollen die Linie innerhalb der künstlerischen Komposition befreien und auf vehemente Weise ihre eigene Entität im Schaffensprozess fordern; die Linie sogar von der Hand, die den Pinsel führt, befreien. Wir beziehen uns dabei  auf die Linie, aus der sich, zusammen mit dem Farbfleck, das Gemälde zusammensetzt. 

Wir wollen der Zeichnung, da sie aufgrund ihrer Spontanität der Geistigkeit im Künstler nahesteht, den Platz geben, der ihr gebührt und den wir immer verteidigt haben.  

Wir wollen die VORREITER sein, immer in erster Linie vorangehen, als Avantgarde;  wir wollen weder kehrtmachen, noch der Vergangenheit nachtrauern, aber doch das zurückgewinnen, was auf diesem Weg aufgrund der Eile, als Erster anzukommen, obwohl man dabei auf notwendige Aspekte in dem  langen kreativen Prozess verzichten muss, verloren gegangen ist. Wir wollen nicht, dass sich die Kunst in ein weiteres Wegwerfprodukt dieser gierigen Konsumgesellschaft verwandelt.

Verteidigen wir alle zusammen die KUNST!

Alles wird durch die Liebe bewegt; die Malerei ohne Liebe ist nur unbeseelte  Farbe. Das Aufeinandertreffen von Liebe und Freiheit  sind unumgänglich, damit der Künstler das philosophische Konzept des zu schaffenden Werkes einzufangen vermag und dieser innere mentale Prozess ihn zu einer Theologie des Schaffens führt. Diese ewige Suche ist es, die den Weg der wahren Kunstwerke befruchten wird. 

Überfluten wir die Welt mit Malerei, Bildhauerei, Musik, Poesie... überschwemmen wir unsere Städte mit Kunst, damit die Kultur und die Werte des Menschen über allem anderen stehen. 

Ich will das Leben malen.


Jorge Rando